Im Reich der Düfte
Nicolas de Barry schnuppert am Riechstreifen und saugt ganz vorsichtig den Duft ein. „Eine orientalische Note mit etwas Patschuli, Bergamotte und Rose.“ Zufrieden blickt er auf seine letzte Kreation, das Parfüm „George Sand“. Anlässlich des 200. Geburtstags der französischen Schriftstellerin hatte er es kreiert und damit seine Reihe „Historische Parfüms“ lanciert.
Nicolas de Barry ist Parfümeur, sein Reich das Château de Frileuse. Vor drei Jahren kaufte er den Landsitz aus dem 17. Jahrhundert mit großem Park nahe der berühmten Loire-Schlösser Chambord, Chenonceau, Blois und Amboise. Hier kann er sich ganz der Parfümkunst widmen. „Jeder Parfümier braucht diese Abgeschiedenheit, um Düfte zu komponieren“, erzählt de Barry, während er in den Schlosskeller hinabführt. Lagerten hier einst schwere Weine, befindet sich dort heute sein Atelier. Auf der Parfümorgel sind Flakons und Fläschchen mit natürlichen und künstlichen Essenzen angerichtet, aus denen er „wie ein Musiker Akkorde, Harmonien, Noten zu einem Wohlgeruch“ komponiert. Geführt wird er dabei einzig von der Nase als Instrument. Kein Wunder, dass Parfümeure in Frankreich ´große Nasen’ heißen.
Das Château de Frileuse zählt zu den touristischen Attraktionen im „Cosmetic Valley“, wie das Gebiet rund 100 Kilometer westlich von Paris genannt wird. Zwischen Chartres, Orléans und Blois bilden mehr als 200 Firmen das Mekka der französischen Kosmetik- und Parfümwelt. Die Region boomt – vor allem durch die strategisch einmalige Lage: Hauptstadtnähe, Zulieferindustrien, exzellente Infrastruktur. 16.000 Mitarbeiter sorgen derzeit für siebzig Prozent der nationalen Produktion an Parfüms, Cremes und Make-ups – und jährlich für mehr als zweihundert neue Düfte. Auch für Urlauber hat sich die Region zu einer Attraktion entwickelt, um selbst in die Welt der Düfte einzutauchen. 35 Kilometer nördlich von Orléans liegt das Château de Chamerolles. Ein Parfümspaziergang führt vom 16. bis ins 21. Jahrhundert. Die Säle des Renaissance-Schlosses sind ganz im Stil der Epoche eingerichtet. Möbel und Accessoires, Bäder und Labore, Destillierapparate, Salbengefäße und Flakons spiegeln das Lebensgefühl der Zeit wider.
Der Besuch hier ist vor allem ein Genuss für sensible Nasen. Überall lassen sich die prägenden Düfte der Jahrhunderte riechen: Das „Spanische Leder“ auf Amber- und Moschusbasis zur Parfümierung von Handschuhen, die zarten Noten des „Kölnisch Wasser“ auf Orangenblütenbasis. Oder das „Wasser der ungarischen Königin“, das die Dame im Alter von 70 Jahren wohl noch so schön machte, dass der König von Polen um ihre Hand anhielt – übrigens vergeblich.
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