Irlands Sprache: Ein umstrittenes Thema
Irisch ist eine gälische (oder auch goidelische) Sprache und wurde ursprünglich von den Kelten und dem Scottisch-Gälischen verwendet. Gälisch ist am nächsten mit dem Manx (Sprache der Isle of Man) verwandt. Diverse gälische Sprachen sind unter dem sogenannten „Inselkeltisch“ zusammengefasst.
Das heutige Irisch hat sich über das Mittelirische aus dem Altirischen entwickelt, war jedoch langer Zeit keiner akademischen Sprachpflege unterworfen. Ab wann Irisch als Sprache Irlands gelten kann, ist allerdings unsicher … nachgewiesen ist es erst mit den spärlichen Ogham-Inschriften, also etwa im 4. Jahrhundert.
Die irische Sprache entwickelte sich in der Praxis bis etwa zur großen Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts. Danach begann ihr effektiver Niedergang und sie wurde nach und nach durch das Englische ersetzt. Die traditionellen Irischsprecher starben oder verließen das Land, wodurch Irisch binnen weniger Jahre zu einer Sprache der isolierten Landbevölkerung und der Unterschicht wurde.
Im Rahmen der irischen Unabhängigkeit und der fast manischen Abgrenzung zum britischen Nachbarn wurde Irisch allerdings schnell zur „Chefsache“, vor allem Eamon de Valera setzte sich für ein staatlich gefördertes Revival ein. Von diesem Wiederaufleben träumt man aber heute noch.
Nach der Volkszählung von 2006 ist Irisch „alive and kicking“ – immerhin 40,8% der Bevölkerung gaben an, Irisch sprechen zu können. Wer sich die Fragen zu diesem Thema ansieht, wird jedoch schnell feststellen, dass diese Aussage wertlos ist. Weniger als 54.000 Iren gaben an, Irisch täglich und außerhalb von Schule oder Universität zu sprechen. Das sind weniger als die geschätzte 70.000 Iren, die tatsächlich als „Muttersprachler“ gelten können.
Irisch ist heute also definitiv die Sprache einer meist geographisch auf Westirland beschränkten Minderheit. Dennoch ist Irisch im Alltag der „Grünen Insel“ überall präsent – nämlich in Schriftform und vom Gesetz bestimmt. Von Strassenschildern über offizielle Dokumente und bis vor die eigenen Haustür: Alle Gesetze werden hier in Englisch und Irisch beschlossen und im Zweifelsfall ist die irische Version verbindlich.
Einige irische Begriffe sind sogar so geläufig, dass ihre englische Übersetzung kaum bekannt und auch eine sinngemäßes Übertragung nicht im Gebrauch ist.
Beispiele aus dem öffentlichen Leben:
- An Post (wörtlich überraschenderweise „die Post“),
- Bus Éireann (wörtlich „Bus Irlands“),
- Iarnród Éireann (wörtlich „eiserner Weg Irlands“, Eisenbahngesellschaft),
- An Garda Siochana (wörtlich „Wächter des Friedens“, Polizei),
- Radio Telefís Éireann (kurz RTÉ, wörtlich „Radio [und] Fernsehen Irlands“).
Weitere Informationen rund um Irland finden sie unter irish-net.de
