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Retter im Outback

Traumjob fliegender Arzt

Das Telefon im Büro von Solange Imseih klingelt ununterbrochen. Die 34-jährige Französin ist gefragt, denn sie gehört einem achtköpfigen Ärzteteam an, das in Broken Hill, im Nordwesten von New South Wales, für den Royal Flying Doctor Service (RFDS) arbeitet. Imseih stammt aus Brie in der Champagne, 60 Kilometer westlich von Paris. Die Großstadt vermisst sie aber nicht. Ganz im Gegenteil: Das Leben und die Arbeit im Outback gefallen ihr und einmal im Monat sieht sie ihren australischen Mann, der 720 Kilometer südlich der abgelegenen Minenstadt in Melbourne lebt.

Ärzte für den anspruchsvollen Job bei den Flying Doctors zu finden ist aber alles andere als einfach. Doch dank dem Interesse und der Abenteuerlust von Ausländerinnen und Ausländern ist das Ärzteteam erstmals seit Jahren komplett. Imseih beantwortet diese Woche vor allem Telefonanrufe von Patienten, gibt Ratschläge und hält sich für den Notfall bereit. Jährlich werden mit den drei King-Air- B200-Flugzeugen, die hier stationiert sind, um die 2000 Flüge durchgeführt. Das Gebiet, welches von Broken Hill aus abgedeckt wird, umfasst nicht weniger als 640 000 Quadratkilometer in drei Gliedstaaten, das entspricht zweimal der Größe Italiens. Unter der Woche besucht ein Ärzteteam vor allem die abgelegenen Ortschaften und Farmen. Heute stehen Besuche in Wilcannia und in White Cliffs auf dem Programm, zwei Orten die unterschiedlicher nicht sein könnten. In Wilcannia leben rund 300 Menschen, mehrheitlich Ureinwohner. Wichtig sei, so Imseih, die Menschen kennenzulernen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Längst nicht jeder zuckerkranke Aboriginal sei zum Beispiel bereit, die Anordnung einer Weißen zu befolgen und sich Insulin zu spritzen. Die Gesundheitsprobleme der Menschen hier sind vielfältiger Art und oftmals chronisch. Neben Diabetes sind auch Leber- und Kreislaufkrankheiten stark verbreitet. Arbeit gibt es kaum und die Zeit wird leider oft mit dem Griff zur Flasche totgeschlagen.

In White Cliffs leben vor allem Farmer mit europäischen Wurzeln. Hier spiele es keine Rolle, Ausländerin zu sein. Dass bei den Flying Doctors in Broken Hill immer mehr Ärztinnen praktizierten, komme vor allem bei den Frauen gut an, sagt Imseih. Aber auch die meisten Männer, die sich im Busch traditionell als harte Kerle aufführten, hätten mit ihr in der Regel kein Problem. Dass sich die Zeiten im rauen Outback geändert haben, zeigt auch ein anderes Beispiel. Der 33-jährige David Browne war fast zehn Jahren als Minenarbeiter in Australien, Südafrika, Italien und Indonesien tätig. Dann entschied er sich für einen Karrierewechsel und begann eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Es sei immer sein Traum gewesen, eines Tages für den RFDS zu arbeiten. Sechs Jahre muss man als Krankenpfleger gearbeitet haben, bevor man sich bei den RFDS bewerben kann. Browne ist nicht nur auf Notfälle und Intensivbehandlung spezialisiert, er ist auch eine diplomierte Hebamme. Zwar behandelt er mehrheitlich Knochenbrüche und Schnittwunden, aber im Busch ist von lebensbedrohlichen Schlangenbissen bis Herzinfarkte und Geburten alles möglich.

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