Mythen und Moderne
Hinter der Maske glänzend leuchtender Modernität arbeiten unzählige unsichtbare Kräfte. Die Luft ist voller Mysterien. Legenden und Bräuche, die aus Feng Shui, Buddhismus oder Taoismus stammen. Auch in den modernsten Wolkenkratzern sind sie lebendig.
Einen Ausflug in die Legenden Hong Kongs beginnt man am besten an einem chinesischen Esstisch, wo Etikette ein lebendiger Teil des Aberglaubens ist. Eine der wichtigsten Regeln: Niemals einen Fisch umdrehen. Man hebt entweder die Gräten vorsichtig an oder zieht das Fleisch unterhalb der Gräten heraus. Einen Fisch umzudrehen bedeutet Unglück für Fischer, denn es symbolisiert das Kentern eines Bootes - und auch Yachtbesitzer möchten ihr Schicksal nicht herausfordern.
Vom Schicksal gesegnet zu werden, ist einer der Schlüsselfaktoren bei der Zusammenstellung von Banketten. Einzelne Gerichte werden extra wegen ihrer verheißungsvollen Assoziationen ausgewählt: Für jemanden, dem man ein langes Leben während einer Geburtstagsfeier wünscht, werden Nudeln serviert, deren lange Stränge Symbol für ein langes Leben sind. Eine Mahlzeit ist auch immer gleichzeitig Medizin. Während westliche Menschen daran glauben, dass Karotten gut für die Sehkraft sind, schwören Chinesen auf Chrysanthemenblüten-Tee als bestes Augentonikum.
Weit verbreitet ist der Glauben an die "Organotherapie". Ihre Anhänger glauben: Ein Kranker kann alle Eigenschaften des Teiles eines Tieres annehmen, das er isst. Diese "Organotherapie" erklärt die Beliebtheit vieler Gerichte, die für Abendländer genwöhnungsbedürftig sind - etwa Hoden von Hähnen oder andere "unvorstellbare" Delikatessen.
Mythos Hongkong
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