Prag: Die goldene Stadt
Was ist es, das die Menschen an dieser Stadt so bezaubert? Bereits im 19. Jh. versuchte der österreichische Schriftsteller Franz Grillparzer eine Erklärung: "Es ist hier etwas, das an Venedig erinnert: das Fortlebende nämlich, das Altertümliche zwischen und neben dem Neuen". Und in der Tat: Es gibt nur wenige Orte, an denen sich auf so engem Raum steingewordene Geschichte in einer derartigen Vielfalt präsentiert. Zwar sind die Reste romanischer Architektur in Prag bescheiden, doch schon die Gotik brachte eine Vielzahl von Kirchen und Palästen hervor, die dem Interessierten immer neue Entdeckungen bescheren. Dominierend ist jedoch der Barock: Die meisten Häuser, Kirchen und Paläste, die Mehrzahl der Gemälde und Bildhauerwerke entstammen dieser reichen Periode künstlerischen Schaffens. Das 20. Jh. ist durch sehenswerte Beispiele des Jugendstils und des Kubismus eindrucksvoll vertreten.
Oder sind es vielleicht auch die kleinen, verwinkelten Gassen der Altstadt zwischen Altstädter Ring und Karlsbrücke, die idyllischen Fleckchen der Kleinseite mit ihrem morbiden Charme die eine romantische Sehnsucht befördern? Das scheinbar harmonische Nebeneinander von Palais und Bürgerhäusern, jenem Ort, an dem Geschichte, Kunst und Alltag - auf den ersten Blick zumindest - so eng miteinander verwoben sind ? Ist es also die romantische Verklärung der Vergangenheit, die hier so direkt fassbar, so lebendig erscheint, der Eindruck von ehemals erhabener Größe und Geschlossenheit, die uns die Gegenwart sonst nicht mehr bieten kann?
Prag gilt seit jeher als eine große Kulturmetropolen. Die Stadt hat glanzvolle Epochen erlebt: unter Karl IV. stieg Prag zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation auf, in der Ära Rudolfs II. arbeiteten Künstler aus ganz Europa an der Moldau. Spätestens seit dem 10. Jh. hat Prag eine Vielzahl von Nationen beherbergt. Diese Menschen arbeiteten hier nicht nur als Händler und Handwerker, sie brachten auch neue Einflüsse, Techniken und Fertigkeiten mit. Künstler aus Frankreich und Italien, Deutschland und Flandern trugen zum kulturellen Reichtum der Stadt bei. Prag hat dabei wie keine andere Metropole Tschechen, Juden und Deutsche zusammen geführt - wenngleich auch nicht immer in friedlichem Nebeneinander. Diese "Drei-Völker-Stadt" - ein Begriff, den Franz Werfel prägte- hat kulturelle Leistungen hervorgebracht, die auch den deutschsprachigen Raum nachhaltig beeinfluss haben. Die Musik Dvoraks und Smetanas gehört heute ebenso zum europäischen Kulturerbe wie das schriftstellerische Werk von Franz Kafka, Egon Erwin Kisch, Jaroslav Hasek und Jaroslav Seifert, um nur einige zu nennen.
Prag fasziniert mit Geschichte und moderner Kultur. Diese Stadt ist auf jeden Falle eine Reise wert.
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