Schottland

Edinburgh entdecken

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Noch vor einer Dekade dachte man bei Edinburgh zuerst an Haggis, Dudelsack und Robert Burns. Die schottische Dreifaltigkeit gibt es zwar noch immer, aber gründlich überholt. Heute steht die Stadt am Firth of Forth für moderne Architektur, MTV und schräge Lederkilts. Und unter Clubgängern gilt Edinburgh als Geheimtipp. Prince William, den smarten Sohn von Prince Charles, trifft man am ehesten in der Opal Lounge, die zu seinen Lieblingsbars zählt.

Edinburgh ist mit 448 000 Einwohnern im Vergleich zu Glasgow zwar die kleinere Stadt, doch sie ist die Hauptstadt des Landes. Für Kunstinteressierte bietet sie eine vielfältige Museumsszene und für Stadtästheten das einheitlichere Bild, das vor allem durch bürgerliche Wohnkultur und wohlhabende Stadthäuser geprägt ist. Mittelpunkt der Kapitale ist das Castle, das erhöht auf einem Fels über den Häusern thront. Direkt unterhalb des Schlosses breitet sich Old Town aus, das historische Edinburgh mit seinen engen Gassen, Pubs und schmalen Häusern aus dem 16. und 17. Jh., in denen schon Sir Walter Scott, der Philosoph David Hume oder der Maler Henry Raeburn verkehrten. Aus dem 18. Jh. und der georgianischen Zeit stammt dagegen der neue Teil von Edinburgh, die so genannte New Town, die dominiert wird von rund eingefassten Plätzen, deren schönster Charlotte Square ist.

Auch heute ist Edinburgh inspirierend, besonders für eine wachsende Literaturszene. Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling hat aus der Stadt Anregungen für ihre Bücher bezogen, ebenso wie der Schotte Ian Rankin, denn Schreiben hat in den alten Gassen Tradition. Robert Burns, Walter Scott, Robert Louis Stevenson: Sie alle waren kürzere oder längere Zeit in der Stadt und hinterließen ihre Spuren, die man nicht nur in ihren Büchern, sondern zum Teil auch im Writers Museum wiederfindet. Jedes Jahr im August erinnert Edinburgh an seine besondere Beziehung zur Literatur und feiert das Book Festival, bei dem Größen wie die in Edinburgh geborene Muriel Spark, wie Doris Lessing oder Nobelpreisträgerin Toni Morrison auftreten.

Aber nicht nur literarisch, auch politisch hat Edinburgh wieder mitzureden. Über Jahrhunderte war die Diva schön und reich, aber politisch unbedeutend. Das änderte sich im Mai 1999. Ein Jubelschrei ging durch die Old Town, als sich die frisch gewählten Abgeordneten zum neuen schottischen Parlament konstituierten. 2004 war schließlich auch das neue, 430 Mio. £ teure Parlamentsgebäude fertig, das der inzwischen verstorbene katalanische Baumeister Enric Miralles entworfen hatte.

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