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Nachtwanderung auf den Mosesberg

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Gegen 2 Uhr am Morgen wird die nächtliche Stille vor dem Katharinenkloster durch Stimmengewirr und eintreffende Autos beendet. Auf dem Parkplatz vor dem Kloster warten Beduinen auf Kundschaft, auf Touristen, die oft schon vor Mitternacht ihre Strandhotels oder Bambushütten in Sharm El-Sheikh, Dahab, Nuweiba und Taba verlassen haben, um rechtzeitig am Fuß des Mosesbergs einzutreffen.

Der Ausflug ist denkbar einfach zu organisieren. Sie brauchen festes Schuhwerk, bequeme, aber vor allem warme Kleidung, Wasser, etwas Proviant und ein Sammeltaxi, das Sie etwa drei Stunden vor Sonnenaufgang am Katharinenkloster absetzt. Die einfache Fahrt kostet von Sharm El-Sheikh ungefähr 18 Euro, von Dahab etwa 10 Euro, jeweils pro Person im voll besetzten Fahrzeug. Der Aufstieg erfolgt meistens über den längeren, aber gemächlicheren Sikket Al-Basha, den Weg des Paschas, und für die ersten zwei Drittel dieses Wegs können Sie sich sogar ein Kamel plus Führer nehmen (ab etwa 7 Euro).

Sie laufen in stockfinsterer Nacht durch das Wadi Al-Deir. Eine Taschenlampe sollten Sie deshalb auf jeden Fall dabeihaben. Unterwegs passieren Sie etliche kleine Kioske, an denen Wasser und Kekse verkauft werden. Kurz vor dem Gipfel stoßen Sie auf den zweiten Weg, oberhalb des Elias-Plateaus, das auch »Amphitheater der 70 Weisen« genannt wird, weil an dieser Stelle Moses‘ Begleiter zurückbleiben mussten. Diesen zweiten Weg, den Sikket Sayyidna Musa, wählen Sie später für den Abstieg.

Von hier sind es noch 750 Stufen bis zur Spitze des Bergs, wo Moses die Zehn Gebote Gottes empfangen haben soll. Zu diesem besonderen Ort wurde der Berg erst in christlicher Zeit, deshalb pilgern auch vorwiegend Christen auf seinen Gipfel. Oben treffen Sie auf Besucher, die am Vorabend hochstiegen und die Nacht dort verbrachten. An manchen Tagen erwarten mehrere Hundert Schaulustige den Sonnenaufgang. Erheblich weniger sind es an Freitagen und Sonntagen, da das Katharinenkloster dann geschlossen ist. Der Blick über den versteinerten Ozean, dessen Felsen in der Morgendämmerung nahezu minütlich ihre Farben verändern, ist in der Tat atemberaubend. Bei guter Sicht kann man bis zum Golf von Aqaba schauen. Auf dem Gipfel des Gebel Musa, wie der Berg auf Arabisch heißt, steht eine kleine Kirche, die Kapelle der Heiligen Dreifaltigkeit, an deren Stelle sich Gott dem Moses in einer Feuerwolke offenbart haben soll.

Beim Abstieg geht es zuerst wieder hinunter zum Elias-Plateau, auf dem sich mehrere kleine Kapellen befinden, unter ihnen die aus Kalkstein erbaute Eliaskirche. Die Zypresse auf dem Plateau ist über 1000 Jahre alt. Der Abstieg über den Sikket Sayyidna Musa, den Weg unseres Herrn Moses, beginnt rechts neben einem kleinen steinernen Damm. Die Treppe, die Sie hinuntergehen, hat 2700 Stufen und wurde im 6. Jh. von einem Mönch in den Fels gehauen. Nach etwa 100 m folgt das Eliastor und noch einmal 450 m weiter unten das Tor des Glaubens. Pilger mussten bis ins 19. Jh. hinein unter diesem Tor für ihre Sünden um Vergebung bitten, bevor sie auf den Berggipfel vorgelassen wurden.

Der Abstieg dauert insgesamt etwa 90 Minuten und führt durch eine faszinierende Landschaft mit wunderbaren Ausblicken auf das Katharinenkloster.