Ruine vergangener Zeiten vor der Kulisse des majestätischen Ätnas in Sizilien. © Gap di gitto antonino, iStock

Sizilien – Flucht vor dem Winter und Frühlingsträume

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Keine Lust auf Kälte, Matsch und mieses Wetter zu Hause? Mit durchschnittlichen 10 bis 15 Grad Celsius lässt es sich in den sizilianischen Küstengebieten auch im Winter gut aushalten. Und wäre da nicht der schneebedeckte Ätna, gäbe es nichts, was die heimische Winterstimmung wecken würde: Die Sonne wärmt zuverlässig, und die Natur ist in ein selten frisches Grün getaucht. Erinnert eher an Ostern. Und das alles zu Tiefstpreisen. Wann kann’s losgehen?

Sizilien und seine Vulkane

Das Wahrzeichen von Sizilien ist unbestritten der Ätna, mit 3323 Metern höchster und gleichzeitig aktivster Vulkan ganz Europas: Im Jahr 2013 brach er 16 Mal aus. Die fruchtbare Umgebung sorgt für eine dichte Besiedelung in seiner Nähe, was die Anwohnern einem großen Risiko aussetzt.  Besucher können sich mit einer Seilbahn auf rund 2500 Meter Höhe bringen lassen; ein Geländebus setzt noch einmal 500 Höhenmeter oben drauf. Besonders spektakulär sind die Lavaströme nachts anzusehen. Ach ja, und Ski fahren kann man auf ihm auch!

Aber der Ätna ist nicht der einzige aktive Vulkan auf der „Feuerinsel“ Sizilien: Stromboli und Vulcano sorgen auf den Liparischen Inseln für Action; einige submarine Vulkane verrichten ihre feurigen Aktivitäten unter Wasser.

Sizilien und die Mafia

Eine der ersten Assoziationen zu Sizilien, wenn auch keine rühmliche: die Mafia. Zum Glück bleiben Touristen davon meist unbehelligt; trotzdem würden viele gerne einen Einblick in dieses geheimnis- und mythenumwobene Bündnis bekommen. Interessierte können an einer organisierten „Antimafiareise“ teilnehmen, die Menschen und Orte besucht, die für den Kampf gegen die Cosa Nostra stehen. Andere Organisationen veranstalten schutzgeldfreie Reisen, die Händler und Weinbauern unterstützen, die der Mafia Widerstand leisten.

Siziliens Vergangenheit

Mit ihrer zentralen Lage im Mittelmeer war Sizilien oft im Mittelpunkt strategischer Interessen und  Streitigkeiten und wurde deshalb immer wieder neu erobert, was seine Spuren hinterlassen hat, auch in kultureller Hinsicht. Besucher dürfen sich also auf vielseitige Bauwerke freuen, die vor allem aus der Antike, der Zeit der Normannen und Staufer sowie des Barocks stammen.

Besonders sehenswert ist das Valle dei Templi, die archäologischen Stätten von Agrigent, die mit einer Reihe sehr gut erhaltener Tempel aus der griechischen Antike aufwarten können. Jeder Tempel ist einer eigenen griechischen Gottheit gewidmet. Dem heutigen UNESCO-Weltkulturerbe hat schon Goethe auf seiner italienischen Reise einen Besuch abgestattet.

Einen erfrischenden Kontrast dazu bilden die Gärten von Kolymbéthra nordwestlich davon mit ihren jahrhundertealten Öl-, Orangen- und Zitronenbäumen. Bei Sonnenuntergang werden die Tempel in ein magisches gelbes Licht getaucht und sorgen damit für ein beeindruckendes Schauspiel.

Weiterer kultureller Höhepunkt ist das Teatro Greco in Taormina, eigentlich ein römischer Bau aus dem 2. Jahrhundert vor Christus, mit einer fantastischen Bühne: Eine rund zehn Meter breite Lücke gibt den Blick auf den Ätna und die Bucht von Giardini-Naxos frei. Auch heute noch wird sie gerne für Konzerte und Theatervorstellungen genutzt.

Sizilien für den Gaumen

Die Vermischung unterschiedlicher Kulturen ist nicht nur zu sehen, sondern auch zu schmecken in Sizilien. So ist der arabische Einfluss besonders bei den Süßspeisen nicht zu verkennen. Der Besuch einer Pasticceria gehört also zum Pflichtbesuch vor Ort. Kunstvolle Pralinés, kleine Kuchen oder Köstlichkeiten aus Marzipan werden liebevoll und gaumenwässernd präsentiert und verpackt.

Und sonst? Um Fisch kommt man nicht herum – und sollte man auch nicht. Ein gefüllter Klassiker ist zum Beispiel die Sarde a beccafico. Dazu wird Insalata di arance, ein Orangensalat, serviert. Schmackhafte Beilagen sind die Arancini, kleine gefüllte Reisbällchen.

Siziliens wichtigste Städte

Palermo ist zunächst etwas chaotisch, macht das aber durch hochkarätige Sehenswürdigkeiten wieder mehr als wett. Zu den Höhepunkten gehören zahlreiche Kirchen verschiedener Baustile wie die Chiesa La Martorana, der Dom und die Kirche San Giovanni degli Eremiti. Auch der Normannenpalast mit der Capella Palatina und das Teatro Massimo lohnen einen Besuch. In den Katakomben des Kapuzinerklosters sind 1200 sehr gute erhaltene, stehende Mumien ausgestellt – ein makaberer Ausflug der besonderen Art!

Wer authentisches Stadtfeeling aufsaugen möchte, besucht einen der vielen Straßenmärkte. Der bekannteste und größte Markt, auf dem Lebensmittel verkauft werden, ist der Mercato della Vucciria; der Nachtmarkt Il Borgo ist ein Spektakel für sich. In den verwinkelten Gassen des Capo-Viertels kann man sich günstig mit sizilianischen Delikatessen eindecken.

An der Ostküste Siziliens liegt Syrakus, in der Antike einst mächtigste Stadt der Insel mit dem größten kulturellen Einfluss. Die meisten historischen Bauten und Sehenswürdigkeiten befinden sich in der Altstadt auf der Insel Ortygia, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist und eine eigene Süßwasserquelle besitzt. Auf der Piazza Archimedes reihen sich die Palazzi aus dem 14. bis 16. Jahrhundert aneinander. Weitere Highlights sind der Palazzo Beneventano Del Bosco sowie der Dom. In der Neustadt gibt es ebenfalls ein griechisches Theater aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, das immer noch in Verwendung ist.

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von Solveig Michelsen